Die Bewertung der aktuellen Situation an Schulen steht konträr zu den Ausführungen des zuständigen Ministers Armin Schwarz in seiner Pressekonferenz zum Start des Schuljahres. Die Probleme, die in Überlastungsanzeigen, Stellungnahmen und durch diverse Aktionen von Betroffenen aus Frankfurt und Hessen seit Jahren dargestellt werden, haben sich noch einmal verstärkt und zeigen, dass die Situation an den Schulen immer schwieriger wird.
Gleichzeitig bleibt festzuhalten: Die Reaktionen der politisch Verantwortlichen, sei es auf Landes- oder Schulträgerseite, bleiben rar. Und wenn, dann sind sie selten hilfreich. Dass beispielsweise vor den Sommerferien, als Reaktion auf die Überlastungsanzeigen der Wiesbadener Grundschulen, seriell Gespräche des dortigen Staatlichen Schulamt mit den Lehrkräften geführt wurden, stellt unseres Erachtens eine reine Alibiaktion dar, denn die Staatlichen Schulämter haben gar nicht die Möglichkeiten, entscheidende Dinge zu verändern. Es scheint nicht gewollt, die beschriebenen Probleme wirklich zu lösen. Im Gegenteil, es werden Kürzungen vorgenommen, wie beispielsweise das Einbehalten von Rücklagen, die in den Schulen für Schülerbetreuung und vieles mehr gebraucht würden. Die genannten Maßnahmen führen nicht nur zu einer weiteren Erhöhung der Belastung, sondern auch zu einem Bildungsqualitätsverlust und letzten Endes zu der Politikverdrossenheit, die dann wieder in Reden beklagt wird!
Wir stellen fest:
- Die Aufgaben und Anforderungen, die Schulen bewältigen sollen und müssen, sind in den letzten Jahren stetig angestiegen.
- Gleichzeitig reduzieren viele KollegInnen auf eigene Kosten ihre Stundenzahl, um die gestiegenen Anforderungen bewältigen zu können.
- Die Schülerschaft hat einen steigenden Bedarf an Unterstützung und individueller Zuwendung.
- Die personellen Bedingungen werden stetig schlechter: Es fehlen ausgebildete Fachkräfte in fast allen schulischen Bereichen. Besondere Zuweisungen, wie beispielsweise der Sozialindex, können so oft gar nicht mehr sinnvoll genutzt werden.
- Neu eingeführte Maßnahmen, die unterstützen sollen, sind oft mit hohen bürokratischen Hürden versehen, sodass hierdurch oft weitere Belastung hinzukommt.
- Der Zustand der Schulgebäude ist häufig so, dass dadurch Unterricht und Bildungsprozesse zusätzlich erschwert oder sogar verhindert werden.
- Der Hitze- und Kälteschutz ist häufig so mangelhaft, dass die Temperaturen in den Gebäuden geltende Arbeitsschutzvorgaben sprengen.
Wir fordern:
- mehr Ausbildungskapazitäten für Lehrkräfte aller Schulformen
- Verkleinerung der Klassen, damit individuelle Förderung ermöglicht wird
- Verringerung außerunterrichtlicher Aufgaben und Verringerung der Arbeitszeit
- zusätzliche und unbürokratische Unterstützung von Schulen und SchülerInnen mit besonderen Herausforderungen
- eine schnelle Überwindung des Sanierungsstaus und eine angemessene Nachrüstung der Bestandsgebäude in Bezug auf Extremtemperaturen
Wir erwarten:
- die Anerkennung der benannten Probleme von allen verantwortlichen Akteuren (Bund, Land, Schulträger) ohne diese zu relativieren
- die gemeinsame Anstrengung, die benannten Probleme zu lösen – keine Alibiaktionen, sondern lösungsorientierte Überlegungen, aus denen konkrete Maßnahmen entstehen, die finanziell und personell unverzüglich umgesetzt werden