So schafft man kein Vertrauen!

Zum Schreiben des Kultusministers zur Rückkehr zum Regelunterricht an Grundschulen vom 22.6. bis 3.7.

Der GEW Bezirksverband Frankfurt ist in vielerlei Hinsicht erstaunt und entrüstet über die jetzt konkretisierte Verkündigung des Hessischen Kultusministers Lorz, in den letzten zwei Wochen vor den Sommerferien alle bisher in Schulen geltenden Abstandsregelungen aufzuheben und den Unterricht an den Grundschulen wieder im Regelbetrieb stattfinden zu lassen. Die ersten, zweiten und dritten Klassen sind gerade einmal seit dem 2. Juni überhaupt wieder in der Schule und somit erst seit einigen Tagen an die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln herangeführt worden. Und jetzt sollen sie von einem Tag auf den anderen in der Schule, in Gruppen von bis zu 25 Kindern, die bis zu 5 Stunden in engen, schlecht lüftbaren Räumen sitzen, als hätte es Abstands- und Hygieneregelungen nie gegeben? War alles nur ein großer Irrtum? Das untergräbt neben der eigenen Glaubwürdigkeit auch die der Lehrkräfte, die das eine den Kindern als äußerst wichtig vermittelt haben und jetzt wieder das Gegenteil vertreten sollen.

Unter enormen Arbeitsaufwand haben Schulleitungen und Kollegien mit Unterstützung der Schulträger die Räume für kleinere Gruppen hergerichtet, Stundenpläne, Aufsichtspläne und Raumpläne nach immer wieder neuen Vorgaben erstellt, die Eltern informiert und um ihr Verständnis für die pandemiebedingten Einschränkungen geworben. Die Unterstützung durch das Ministerium war hier immer unzureichend, wenn nicht sogar kontraproduktiv.

Wie an den vielen Frankfurter Grundschulen, die in der Regel zwischen 12 und 20 Klassen haben, bei vollem Unterrichtsbetrieb eine räumliche Trennung der Klassen voneinander real möglich sein soll, bleibt ein Geheimnis des Kultusministers. Mit der Lösung dieses und weiterer Probleme werden die Schulen aber sicher wieder komplett alleine gelassen.

Wir sagen es mal so: In einem Büro in Wiesbaden kann man diese „Idee sehr spannend finden“ (Kultusminister im Interview mit der Frankfurter Rundschau am 9.Juni), vor Ort soll dann von anderen das Unmögliche möglich gemacht und das Risiko getragen werden.

Wir möchten daran erinnern, dass Herr Lorz selbst in dem Erlass vom 7. Mai zur Öffnung der Grundschulen ausdrücklich geschrieben hat, dass alle Regelungen einschließlich der Vorgaben zu Gruppengrößen und Abstandsregeln „zunächst bis zu den Sommerferien Bestand haben“. Auch seine Zusage, zukünftig die Eltern und die Lehrkräfte rechtzeitig zu informieren und einzubeziehen, wird einmal mehr gebrochen. So schafft man kein Vertrauen, sondern man erschüttert bzw. zerstört es!
Besonders schwerwiegend ist der sich aufdrängende Eindruck, dass Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte der Grundschule hier als „Versuchspersonen“ für die Ausbreitung der Epidemie dienen sollen: Offensichtlich will man auch in Hessen in den wenigen Tagen vor den Ferien Erfahrungen sammeln, wie sich die Aufhebung der Abstandsregeln auswirkt. Die Ferien sollen dann als „Sicherheitspuffer“ dienen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Die GEW Frankfurt ist nicht gegen eine Öffnung der Schulen. Aber diese muss sinnvoll geplant und umgesetzt werden. Dazu gehört auch, die an der Umsetzung Beteiligten in Planungen mit einzubeziehen. Viel wichtiger als die symbolische Öffnung der Schule an zehn Unterrichtstagen ist eine verantwortungsvolle und verlässliche Planung für das nächste Schuljahr, die alle Möglichkeiten berücksichtigt, das heißt sowohl eine weitgehende Rückkehr zum Regelunterricht unter Beachtung von Hygienevorschriften als auch die einer zweiten Welle der Pandemie.