GEW begrüßt das digitale Maßnahmenpaket der Stadt – weitere Verbesserungen sind aber notwendig!

Wir begrüßen das Anliegen der Bildungs- und Integrationsdezernentin Sylvia Weber, der Vertiefung der Chancenungleichheit durch Homeschooling etwas entgegenzusetzen. Das Maßnahmenpaket zur Unterstützung des digitalen Unterrichts geht nach unserer Einschätzung in den meisten Aspekten in die richtige Richtung. Jedoch kommen wir nicht umhin, bei einigen Maßnahmen weitere Verbesserungen einzufordern, um viele jungen Frankfurter Schüler*innen, die aufgrund ihrer Lebenssituation digital abgehängt werden, ausreichend zu unterstützen.

Leihcomputer für alle Schüler*innen!

Aus dem Maßnahmenkatalog unterstützen wir vor allem das Ansinnen, in der gegenwärtigen Lage Schüler*innen mit mobilen Endgeräten für das Homeschooling zu versorgen. Zu klären wäre allerdings weit mehr als Informationen zum Verleihverfahren. Denn über solche mobilen Endgeräte dürfte kaum eine Schule in Frankfurt überhaupt bzw. nicht im ausreichenden Umfang verfügen. Und wenn es die ein oder andere Schule geben sollte, die über mehrere Klassensätze Laptops oder Tablets, dürfte ein kapitalstarker Förderverein der Grund sein.

Nun darauf zu drängen, dass mehr als nur 20% der Digitalpakt-Mittel für mobile Endgeräte veräußert werden müssen, ist unterstützenswert wenn auch nicht ausreichend! Kurz, die Stadt Frankfurt und das Land Hessen (da es hier um Lernmittel geht, ist hier das Land in einer Finanzierungspflicht) müssen die Schulen so bald wie möglich und in einem bedarfsgerechten Umfang mit mobilen Endgeräten für die digitale Beschulung versorgen.

Da es keine Standards für die schulische Ausstattung in diesem Bereich gibt, muss auch überlegt werden, was angeschafft werden soll. Gerade für das schulische Arbeiten sind aus unserer Sicht Notebooks gegenüber Tablets zu bevorzugen, da die Tätigkeiten vor allem das Recherchieren im Internet als auch das eigene Schreiben umfassen, in höheren Jahrgangsstufen vermutlich im Umfang von mehreren Stunden am Tag. Dies dürfte an einem Notebook u.a. aufgrund des größeren Bildschirms und der Tastatur ermüdungsfreier sein.

Mitbestimmung ist durch Coronakrise nicht ausgesetzt!

Zum Maßnahmenpaket gehört auch die vorübergehende Freischaltung der städtischen Hardware für den Betrieb von Kameras und Mikrophonen. Auch das ist unter einer bestimmten Voraussetzung nachvollziehbar. Und die lautet Mitbestimmung! Die Rechte des Personalrats wie des Datenschutzbeauftragten sind durch die Coronakrise alles andere als ausgesetzt. Vor der Freischaltung ist ein entsprechendes Mitbestimmungsverfahren unbedingt erforderlich bzw. muss danach schleunigst nachgeholt werden, um Benachteiligungen der betroffenen Kolleg*innen und andere Rechtsverstöße umgehend zu beenden.

Pragmatismus beim Datenschutz in der Krise darf keine Ausrede für Stadt und Land sein

Dass die Dezernentin angesichts der gegenwärtigen Krisensituation und der Duldung durch den hessischen Datenschutzbeauftragten auch die Nutzung der Videokonferenzsoftware Teams aus dem Microsoft-Office-365-Paket als Übergangslösung ausspricht, können wir nachvollziehen. Dieser kurzfristig erforderliche Pragmatismus darf aber keine Ausrede für Stadt und Land für eine Digitalisierung sein, die Schüler*innen und Lehrkräfte den zwielichtigen Geschäftsmodellen von Microsoft, Apple und Co aussetzt.

Wir empfehlen statt der Nutzung von Microsoft Teams die verschlüsselte Alternative Jitsi Meet als sehr viel datenschutzkonformere schnelle Lösung, auch wenn die Jitsi-Server zeitweise nicht die Power des Semi-Monopolisten Microsoft mitbringen sollte.

Für eine jederzeit stabile Videoverbindung zwischen Lehrkräften und Lernenden steht BigBlueButton (BBB) bereit, einer weiteren Open-Source-Software. Wie Jitsi kann BBB als Plugin in der Hessischen Schulplattform Moodle integriert werden, sie erfordert jedoch in jeden Fall den Betrieb auf landeseigenen Servern. Und das wäre auch gut so! Zumal der hessische Datenschutzbeauftragte mit großer Sicherheit grünes Licht für die schulische Nutzung geben dürfte.

Angesichts der Schwerfälligkeit des Kultusministeriums empfehlen wir der Stadt Frankfurt einen Blick nach Wiesbaden, wo das kommunale Medienzentrum den Schulen BBB für eine datenschutzkonforme Videokonferenz-Plattform bereitstellt.

Der nötige Ausbau des Medienzentrums Frankfurt zur digitalen Beratungsstelle hat begonnen

Wir begrüßen ebenso den erkennbaren politischen Willen zum Ausbau des Medienzentrums zu einer umfassenden Beratungsstelle für schulische Digitalisierung. How-to-do-Videos sowie Zeit und Geld für den kollegialen Austausch sind da ein erster Schritt bei dem es aber nicht bleiben kann; darüber sollte auch das Modewort „Netzwerk“ nicht hinwegtäuschen. Denn die Kolleg*innen brauchen vor allem zeitnah ansprechbare Berater*innen für das Homeschooling jetzt und für die Vermittlung und Nutzung digitaler Kulturtechniken im postpandemischen Unterrichtsalltag! Dafür auch einige abgeordnete Lehrkräfte aus Schulen zu gewinnen, wie jetzt zwischen Stadt und staatlichem Schulamt vereinbart, ist wiederum ein guter Anfang bei dem es aber nicht bleiben kann. Zusätzliche IT-Fachleute müssen in ausreichender Zahl angestellt und wohl auch fortgebildet werden, wenn eine fachgerechte Integration informationstechnologischen Grundwissens in die schulische Allgemeinbildung gelingen soll.

 

Laura Preusker und Sebastian Guttmann

Vorsitzendenteam GEW Bezirksverband Frankfurt