Fassadenpolitik statt echter Investitionen

Pressemitteilungung zur „pädagogisch selbstständigen Schule“

Schwarz-Grün gibt einer bereits bestehenden Regelung einen neuen Namen statt die wirklichen Probleme an den Schulen anzugehen

Mehr Freiheiten für selbstständige Schulen in Hessen“ titelt das Hessische Kultusministerium im Januar 2020. Und schon im August 2019 hatten die Grünen im Landtag angekündigt: „Noch in diesem Jahr wird die Ausschreibung erfolgen, so dass zum nächsten Schuljahr die ersten 30 Pädagogisch selbständigen Schulen starten können.“ Und: „Wir sind überzeugt, dass mehr pädagogische Freiheit zu individueller Förderung und somit zu besserer Qualität führt.“

Gegen die Vergesslichkeit

Die angebliche Qualitätsverbesserung des Unterrichts war schon das Aushängeschild für das vorbereitende Projekt mit dem schön klingenden Namen „Selbstverantwortung plus“, bei dem von 2005 bis 2011 die „Selbstständigkeit“ von Beruflichen Schulen in Hessen schon mal geprobt wurde. Die Ernüchterung kam in einem von der Kultusministerin Henzler zurückgezogenen Arbeitsbericht der Projektgruppe ‚Eigenverantwortliche Schule’, in der auch Vertreter der Staatlichen Schulämter saßen, vom 30.1.2009 zum Ausdruck: „Einen direkten Zusammenhang zwischen erhöhter Eigenverantwortlichkeit der Schulen und dem erfolgreicheren Erreichen pädagogischer Ziele konnte die Projektgruppe bei ihrer Bestandsaufnahme allerdings nicht ermitteln“. So sah es auch der Hauptpersonalrat der Lehrkräfte.

3 Jahre später stellte die für die universitäre Begleitung beauftragte Professorin Clement von der Uni Kassel zum Abschluss des Projekts fest: Es gebe keinen wissenschaftlichen Beleg für den Zusammenhang von mehr Selbständigkeit von Schulen und positiver Wirkung auf Bildungsprozesse und könne ihn aufgrund der ceteris-paribus-Klausel auch nicht geben.

Trotzdem wird die Behauptung der Qualitätsverbesserung weiterhin benutzt, um die Verantwortlichkeit für die unzureichende Ausstattung der Schulen mit Lehrkräften und ihre Überlastung den Schulen selbst zuzuschieben.

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass bis heute nicht einmal 5 Prozent (!) der hessischen allgemeinbildenden Schulen „selbstständige Schulen“ werden wollten.

Dabei wird auch vor Etikettenschwindel nicht zurückgeschreckt:

Was jetzt „pädagogisch selbstständige Schule“ heißt, ist im Paragraf 127c des Hessischen Schulgesetzes bereits enthalten, wonach all diese Möglichkeiten pädagogischer Freiheiten bereits möglich sind, ohne dass deshalb der mit Nachteilen verbundene Status als „selbstständige Schule“ beantragt werden muss.

Statt einer Fassadenpolitik sollte Schwarz-Grün endlich die Mängel im hessischen Schulsystem angehen: Ausreichend Lehrkräfte ausbilden und einstellen, die Arbeitszeiten verkürzen und die Belastungen reduzieren! Das sind die Instrumente, mit denen Qualität gesichert werden kann!