Last-Minute-Wahlgeschenke können eine verfehlte (Bildungs)Politik auch nicht mehr retten

In der letzten Woche gab es eine Reihe von Ankündigungen, die nur im Zusammenhang mit der kommenden Landtagswahl zu verstehen sind. Nun könnte man sagen, besser spät als nie – aber mit einer konzeptionell durchdachten, langfristig angelegten Bildungspolitik, wie sie benötigt wird hat das nichts zu tun. Vielmehr relativiert sich vieles, wenn man sich die Ankündigungen genau betrachtet und es ergibt sich ein Bild von aktionistisch zusammengeworfenen Ideen um eine positive Stimmung zu erzeugen.

 

Die Entscheidung, das Landesticket um ein weiteres Jahr zu verlängern war durchaus erwartbar. Ebenso der Zeitpunkt 12 Tage vor der Wahl. Wem aber Nachhaltigkeit ein Anliegen ist, sollte seine Projekte und ihr Timing nicht an Wahlen binden. Wenn das Landesticket ein Erfolg ist, sollte man es nicht immer wieder nur jährlich verlängern sondern langfristig einführen.

Vor ein paar Wochen erwiderte der Hessische Kultusminister auf die Nachfrage der GEW Hessen, wann denn endlich die erforderliche Entlastung für Mentorentätigkeit kommen werde, dass eine „Mentorentätigkeit […] – wie im Übrigen auch vergleichbar in größeren Betrieben, in der Industrie, im Dienstleistungsgewerbe – zu den dienstlichen Aufgaben der Lehrkräfte gehöre.“

9 Tage vor der Wahl scheint er hierzu neue Erkenntnisse gewonnen zu haben und kündigt eine Entlastung von 1 Pflichtstunde pro Lehrkraft im Vorbereitungsdienst an, was in der schulischen Praxis häufig eine halbe Pflichtstunde pro MentorIn bedeutet, da es zwei Unterrichtsfächer zu betreuen gilt. Dies reicht aber nach unseren Einschätzungen bei weitem nicht aus, 2 Stunden pro Lehrkraft im Vorbereitungsdienst wären mindestens notwendig. Dringend notwendig wäre hier auch, die Anrechnung der Stunden der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst auf die schulische Unterrichtsversorgung deutlich zu reduzieren, damit gemeinsames Planen, Doppelbesetzungen im Unterricht und anschließende Reflexion wieder vermehrt möglich sind. Wem die Qualität der Ausbildung von Lehrkräften am Herzen liegt, der muss auch hier handeln.

6 Tage vor der Wahl entdeckt das Hessische Kultusministerium, dass „die Aufgaben für Schulen in den vergangenen Jahren auf vielfältige Weise gewachsen (sind)“ und „zu den Bildungs- und Erziehungsaufgaben – im und rund um den Unterricht – auch wachsende Verwaltungsaufgaben hinzu(kommen)“. Diese Erkenntnis ist richtig. Und es ist auch richtig, Maßnahmen zu ergreifen, dies zu verändern. Aber die Ankündigung des Starts eines „Pilotprojektes“, in dem in 2 Kreisen an einigen wenigen Schulen diese Entlastung erprobt werden soll (Gesamtkosten 150.000 €), ist keine Antwort, die hier hilft. Wie wäre es stattdessen mal mit der Idee, unnötige Zusatzarbeit zu finden und zu streichen, und für die notwendige Arbeit zusätzliche Personen an allen hessischen Schulen einzustellen. Dass eine Erhöhung der Stunden für die Arbeit in den Schulsekretrariaten, technische Unterstützung für den Betrieb der Computersysteme und der Homepage und vieles mehr sinnvoll wäre, muss nicht im Rahmen einiger Pilotversuche erprobt werden, sondern ist bekannt.

Wird dieser Rhythmus beibehalten, ist die große Frage, was uns wohl 3 Tage vor der Wahl versprochen wird?

Das weiß keiner, wahrscheinlich noch nicht einmal der Kultusminister. Aber wie wäre es mal mit langfristiger, durchdachter Bildungspolitik anstelle von Ankündigungen und Showeffekten? Damit würde man viel für das Land gewinnen.