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„Wir wollen keinen Krieg – und keine Wehrpflicht“

Aus: FLZ Nr. 4-25 | Interview mit Greta, Kathi und Andre, die den Schulstreik gegen Wehrpflicht mitorganisieren

Greta, Kathi und Andre sind in Frankfurt aktiv gegen die Wehrpflicht und organisieren gemeinsam in einem Bündnis am 5. Dezember einen Schulstreik. Im Gespräch mit der FLZ erklären sie warum.

FLZ: Was plant ihr am 5.12. in Frankfurt genau?

Kathi: „Wir wollen in Frankfurt einen großen Schulstreik organisieren – und zwar als Teil eines bundesweiten Aktionstags. Am 5.12. wird es deutschlandweit an vielen Orten Schulstreiks und vielfältige weitere Aktionen geben. Unser Ziel ist natürlich so viele Schüler:innen wie möglich zu mobilisieren. In Frankfurt wird es eine Demonstration geben, die um 12 Uhr am Willy-Brandt-Platz beginnt und an der Bockenheimer Warte enden wird.“

Greta: „Direkt im Anschluss gestalten wir im Exzess (Leipziger Straße) ein Programm mit Essen, Workshops und Aktionen. Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner:innen (DFG-VK) wird Workshops zur Kriegsdienstverweigerung anbieten.“

Andre: Und abends um 18 Uhr gibt es eine Demonstration an der Bockenheimer Warte für alle Generationen. Uns ist wichtig: Militarisierung betrifft die gesamte Gesellschaft. Deshalb wollen wir, dass auch Eltern, Auszubildende, Studierende, Lehrkräfte und alle anderen kommen.“

FLZ: Dürft ihr das überhaupt – einfach die Schule bestreiken?

Greta: „Natürlich ist das formal Schulschwänzen. Aber politischer Protest war schon immer ein Mittel, um sich Gehör zu verschaffen.

Kathi: „Die eigentliche Frage lautet doch: Gehe ich einen Tag nicht in die Schule – oder muss ich 180 Tage oder ein ganzes Jahr zum Zwangsdienst ins Militär?“

Andre: „Man sollte sich fragen, warum die Schüler:innen streiken. Sie beteiligen sich an einer demokratischen Diskussion und beziehen klar Stellung. Das ist politisches Engagement – und das sollte als solches anerkannt werden.“

FLZ: Die Bundesregierung sagt, mehr Soldaten bedeuteten mehr Sicherheit. Könnt ihr das nicht nachvollziehen?

Greta: „Nein. Die Annahme, dass mehr Aufrüstung mehr Sicherheit schafft, ist schlicht falsch. Militarisierung verschärft internationale Spannungen. Man kann nicht Wehrpflicht abschaffen und gleichzeitig eine aggressive Außenpolitik fortführen. Sicherheit entsteht durch Diplomatie, Abrüstung und eine friedliche Außenpolitik.“

Kathi: „Die Zahlen sprechen ja für sich: Selbst der europäische Teil der NATO, also ohne die USA gerechnet, hat deutlich mehr Soldaten, mehr Waffen und gibt ein Vielfaches für Rüstung aus als Russland. Wofür werden also noch mehr Soldaten und noch mehr Geld gebraucht? Darüber wird kaum öffentlich diskutiert – und genau das wollen wir mit dem Schulstreik ändern.

Genauso wenig wird öffentlich darüber gesprochen, ist was es bedeutet in die Bundeswehr zu müssen. Die Bundeswehr wirbt mit Abenteuer, Kameradschaft und Selbstverwirklichung. Aber der Alltag dort ist Drill, Befehlsgehorsam und psychischer Druck. Viele Soldaten entwickeln psychische Probleme, selbst wenn sie nicht im Auslandseinsatz waren. Das ist keine Institution, in die man Schüler und Schülerinnen zwingen darf.“

FLZ: Was können Lehrkräfte tun?

Greta: „Lehrkräfte können Schüler:innen informieren, sie unterstützen und generell Aufklärungsarbeit leisten. Viele Jugendliche wissen gar nicht, was Wehrpflicht konkret bedeutet. Auch über Krieg und Friedenspolitik sollte man offen sprechen – selbst in der Grundschule beschäftigen Kinder diese Themen schon.“

Kathi: „Ihr könnt uns auch an Schulen einladen – in Politikstunden, SV-Sitzungen oder zu Projekttagen - auch nach dem 5. Dezember. Wir wollen langfristig antimilitaristische Bildungsarbeit machen.“

Andre: Und man muss Schülerinnen und Schüler, wenn sie am Schulstreik teilnehmen, nicht mit Sanktionen belegen. Stattdessen kann man im Unterricht thematisieren, warum sie sich beteiligt haben, welche Erfahrungen sie gemacht haben und welche Motivation dahintersteht. Das kann ein Anlass für wichtige politische Diskussionen sein.


Personen

Kathi: „Ich bin Kathi und organisiert in der YUNA – Demokratische Jugend. Wir sind eine bundesweite Jugendorganisation, die antimilitaristisch arbeitet. Unser Ziel ist, einen Krieg zu verhindern, der aus unserer Sicht politisch längst vorbereitet wird, wie verschiedene Strategiepapiere der Bundesregierung und EU deutlich zeigen. Wir kämpfen gegen Militarisierung und damit auch klar gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht.“ 

Greta: „Ich bin Greta, 21 Jahre alt, aktiv bei den Falken. Wir machen politische Kinder- und Jugendarbeit. Wir merken in unserer Arbeit sehr deutlich, dass Kinder und Jugendliche das Thema beschäftigt, viele wollen nicht zum Militär. Militarisierung bedroht nicht nur Menschen in der Armee, sondern unsere gesamte Gesellschaft und Demokratie. Sie schränkt Freiheiten ein, besonders für Kinder und Jugendliche. Genau deshalb müssen wir uns der Wehrpflicht und der Militarisierung insgesamt entgegenstellen.“

Andre: „Ich bin Andre, 20 Jahre alt, Chemisch-technischer Assistent und in der SDAJ organisiert. Wir kämpfen gegen die Wehrpflicht und die zunehmende Militarisierung der gesamten Gesellschaft. Denn während Milliarden Euro in Panzer und Waffen gesteckt werden, sitzt die Jugend in maroden Schulgebäuden.“


Beschluss des GEW-Hauptvorstands von 11/25

"Die GEW setzt sich gegen eine weitere Militarisierung der Bildung und der Gesellschaft ein. Sie lehnt jede Form der Wiedereinsetzung der Wehrpflicht und Wehrerfassung ab und positioniert sich gegen sonstige verpflichtende Ersatzdienste. Die GEW beteiligt sich in diesem Sinne an Aktionen und Aktivitäten gegen die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht und sucht die Mitarbeit in Bündnissen gegen die Wehrpflicht."