"Wir werden sehr genau werten, wie streikfähig wir sind. Nach dem Warnstreik folgt der Streik, möglicherweise auch unbefristet", sagte der Gewerkschaftssekretär der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Hajo Dröll in die Menge der Warnstreikenden. Von den rund 120 Beschäftigten der Lehrerkooperative, die sich vor den Räumen ihrer Geschäftsleitung im Ökohaus, Kasseler Straße, zum Protest versammelt hatten, erhielt er Applaus.
Mit Trillerpfeifen und Transparenten machten Erzieherinnen, Erzieher, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen ihrem Ärger über die miese Bezahlung Luft. Aufgerufen zu diesem Warnstreik hatten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Ver.di).
Einige Kitas und Projekte hatten am heutigen Donnerstag für den kurzfristig einberufenen Warnstreik ganz dicht gemacht, andere boten einen Notdienst an. Dröll zeigte sich bei der Kundgebung verwundert, dass die Geschäftsleitung jetzt plötzlich, angesichts des Drucks durch die Beschäftigten, mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten will. Er machte aber darauf aufmerksam, dass dieser nur "ein zahnloser Tiger" sei, zur vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung verpflichtet.
Druck war nicht nur durch die Schließung von jeweils vier Kinder- und Jugendeinrichtungen an zwei Streiktagen in der vergangenen Woche - und beim dritten großen Warnstreik am heutigen Donnerstag - erfolgt. Elternbeiräte der Einrichtungen des Vereins hätten sich bereits am Mittwochabend gegenüber der Geschäftleitung der Lehrerkooperative entsetzt darüber geäußert, dass diese die tarifliche Zahlung nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TvöD) unterlaufe, berichtete die Fachbereichsleiterin Bildung und Wissenschaft verdi Hessen, Birgit Braitsch.
Marianne Hübinger, Personalrätin und Vertrauensfrau bei der Kundgebung, im Kita-Eigenbetrieb der städtischen Erzieher, merkte an, dass man eine Billig-Konkurrenz nicht akzeptieren werde. Schließlich erhielten alle Träger Zuschüsse gleicher Höhe von der Stadt; insofern gebe es keine Veranlassung, diese Gelder Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Lehrerkooperative vorzuenthalten.
Andreas Werther, Vertrauensmann der GEW Betriebsgruppe an der Lehrerkooperative wies darauf hin, dass es nicht nur um Geld gehe. Durch den Streik gegen den Arbeitgeber holten sich die Beschäftigten auch ihre Würde zurück. Henning Kühn und Lena Rauch von den ver.di Vertrauensleuten schilderten plastisch, die desolate Personalsituation in den Kindertageseinrichtungen.
Florian Hessemüller, Betriebsratsvorsitzender eines anderen Frankfurter Trägers, des Internationalen Familienzentrums (IFZ), stellte die entscheidende Frage: "Wo geht eigentlich das Geld hin, das die Lehrerkooperative wie alle anderen Träger erhält?" Er betonte, wie wichtig dieser Warnstreik sei, weil "immer wieder jemand kommen werde, wie der jetzt scheidende hessische Ministerpräsident Roland Koch, der im Bildungsbereich sparen will".
Die Betriebsratsvorsitzende der Lehrerkooperative Helga Shahidi, machte in einem Redebeitrag deutlich, dass die Einsparung von rund 50 Prozent des Weihnachtsgeldes der Beschäftigten über vier Jahre hinweg in den vergangenen fünf Jahren, im zeitlichen Zusammenhang mit der Gründung der Eliteeinrichtung, Erasmus-Schule, stehe. Seit 2006 sei deren Anschubfinanzierung für drei Jahre gestemmt worden.
Die stellvertretende Vorsitzende der GEW Hessen, Karola Stötzel kündigte an: "Dies ist eine der letzten Warnungen an die Geschäftsleitung - kehren Sie an den Verhandlungstisch zurück - nehmen Sie die Forderungen der Beschäftigten ernst! Wir wollen verhandeln - aber wir sind auch streikbereit!"
Ein Elternvertreter des Horts Basaltstraße drückte die Solidarität der Eltern aus: "Es kann nicht sein, dass die Ausbeutung im sozialen Bereich am größten ist". Aufgrund des Drucks von allen Seiten, hat die Geschäftsleitung zugesagt, 50 Euro mehr ab 1. August zu zahlen und wieder Verhandlungen mit der Gewerkschaft aufzunehmen.
Ansprechpartner GEW:
Hajo Dröll, zuständiger Gewerkschaftssekretär GEW, Tel: 0160/8939826,








