Frankfurt braucht echte Ganztagsschulen! Pressemitteilung zum „Pakt für den Nachmittag“

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Pakt für den Nachmittag – aktueller Stand

Mittlerweile ist die formale Anmeldefrist für den sogenannten Pakt für den Nachmittag in Frankfurt abgelaufen, nur sehr wenige Schulen haben sich dafür entschieden, an diesem als „großen Wurf“ angekündigten Projekt teilzunehmen. Dafür gibt es gute und nachvollziehbare Gründe. In der Diskussion in den Kollegien spielte vor allem die Raumfrage, die an vielen Schulen einen weiteren Ausbau des Ganztagangebots kaum zulässt, wachsende Aufgaben bei nicht unbedingt in gleichem Maß steigenden Mitteln und unklare Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle. Uns ist allerdings kein Beispiel bekannt, in dem es eine nennenswerte Rolle gespielt hat, dass Lehrkräfte an diesen Schulen nicht am Nachmittag an der Schule arbeiten wollen würden. Betrachtet man die angesprochenen Schulen einmal etwas genauer, dann merkt man schnell, wie absurd solche Behauptungen sind, denn alle diese Schulen arbeiten bereits mit hohem Engagement und Einsatz in einem ganztägigen Profil (entweder 1 oder 2). Dies verdeutlicht, dass sich diese Kollegien längst auf den Weg hin zu einer ganztägig arbeitenden Schule gemacht haben.

Worin begründet sich die Nichtteilnahme vieler Schulen?

Der Pakt für den Nachmittag sieht eine erhöhte Mittelzuweisung vor, allerdings erhöhen sich auch die Aufgaben. Dies kann für die Einzelschule ein Vorteil, aber auch durchaus ein Nachteil sein. Durch die Teilnahme am Pakt findet allerdings keine Profilerweiterung statt. Das bedeutet, dass es zum Beispiel keinen Anspruch auf eine Erweiterung des Raumkonzeptes (wie beispielsweise in Profil 3 vorgesehen) gibt. Und auch die Stadt hat nicht erkennen lassen, dass sie von sich aus vorhat, die Schulen entsprechend auszustatten. Es wird hier vor allem auf eine multifunktionelle Nutzung aller Räume an Schulen hingearbeitet, was in vielen Fällen Mittagessen und Nachmittags- und Betreuungsangebote in Klassenräumen, keine Rückzugsmöglichkeiten für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte bedeutet. Darüber hinaus fehlen in der Regel Arbeitsplätze für Lehrkräfte. Auch der Appell, man solle sich mutig auf den Weg machen, auch wenn die Bedingungen nicht optimal seien, ist hier kein gutes Argument. Schnell sind diese schlechten Bedingungen, mit denen man zunächst als Übergangslösung gestartet ist, der Regelfall, der dann zur Normalität erklärt wird. Wir denken, dass es beim Ausbau von Schulen zu Ganztagsschulen um mehr als die schnelle Schaffung von Betreuungsplätzen gehen muss. Natürlich werden diese gebraucht, aber warum setzt denn die Stadt hier in den kommenden Jahren allein auf den „Pakt für den Nachmittag“ und schafft nicht auch andere Angebote, um den Bedarf zu decken.

 

Ganztagsschulen brauchen Qualität

Viele Kolleginnen und Kollegen und auch die GEW sind der Auffassung, dass sich die pädagogischen Herausforderungen in Frankfurt nur durch echte Ganztagsschulen bewältigen lassen. Wenn diese richtig ausgestattet und mit einem entsprechenden pädagogischen Konzept versehen sind, sind sie ein Gewinn für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern. Wenn wir von echten Ganztagsschulen sprechen, dann meinen wir nicht Unterricht am Vormittag und eine Betreuung der Kinder am Nachmittag, die nebeneinander her geschehen ohne sich aufeinander zu beziehen. In Ganztagsschulen muss ein aufeinander abgestimmter Wechsel von Unterricht, Pausen, Mittagessen, Angeboten und Ruhephasen, sinnvoll über den ganzen Tag verteilt, stattfinden. Dazu braucht es ausreichend fachlich qualifiziertes Personal, angemessene räumliche Bedingungen und natürlich ein darauf aufbauendes pädagogisches Konzept. An einer ganztägig arbeitenden Grundschule, arbeiten Personen verschiedener Professionen in Teams zusammen. Auch um sich miteinander auf Augenhöhe begegnen zu können, muss sichergestellt sein, dass alle feste Beschäftigungsverhältnisse haben und möglichst bei einem Träger (Land Hessen) beschäftigt sind. Entsprechend gilt dann das Hessische Personalvertretungsgesetz und die ausgehandelten Tarifverträge.

Diese Bedingungen sind nach unserer Auffassung im Ganztagsprofil 3 gegeben, der Pakt für den Nachmittag stellt demgegenüber eine deutliche Verschlechterung dar. Wir fordern alle an Schule Beteiligten dazu auf, sich ebenfalls für diese Entwicklung einzusetzen und sich nicht an Billiglösungen zu beteiligen, die letztendlich immer zu Lasten der Kinder gehen. Niemand hindert die Stadt daran, Bewerbungen von Schulen für das Profil 3 zu unterstützen oder den Schulen eine dazu gleichwertige räumliche Ausstattung zu garantieren.

Anja Golder Sebastian Guttmann

Vorsitzendenteam GEW-Bezirksverband Frankfurt